Turnierhundesport

Für jeden etwas...

Was ist Turnierhundesport (THS), was macht die Faszination dieser Sportart aus, wie ist seine Wertestellung in einer sich immer mehr diversifizierenden und internationalisierenden Hundesportszene? Um dies zu beantworten, müssen wir uns auf eine hundesportliche Zeitreise begeben, die ihren Startpunkt zu Beginn der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts hat. Sie ist sicher auch für die Leser aus dem angrenzendenAusland interessant; sie kennen den THS in aller Regel nicht.

Wir dürfen uns nichts vormachen, vor dieser Zeit war Hundesport aus heutiger Sicht eine ziemlich eintönige Angelegenheit. Damals konzentrierte sich alles auf die Schutzhundeausbildung mit dem schon durch die geeigneten Hundearten sehr eingeschränkten Teilnehmerkreis. Und bei der Ausbildung wurden wenig vorzeigbare Ausbildungsmethoden praktiziert; gewaltsamer Umgang mit "des Menschen bestem Freund" war damals Standard.

Max Sutter, heute dhv-Ehrenvorsitzender, gab die ersten Denkanstöße für eine neu zu schaffende Sportart, die für alle Hundehalter und für alle Hunde, große und kleine, Rasse- und Mischlingshunde, machbar war. Ihm war die damalige all zu provinzielle Welt des Hundesports einfach zu klein, zu wenig zukunftsfähig. Für die Entwicklung und die Praxisumsetzung brauchte er aufgeschlossene Partner. Und die fand er im HSV Mühlacker. Und in Hans und Rudolf Heidinger zwei kreative Praktiker an der Vereinsspitze (mit visionärem Blick für das Machbare schufen sie sämtliche, heute im THS-Programm angebotenen sportmotorischen Aufgabenstellungen). Gemeinsam und entschlossen ging es an die Veränderung eines sehr starr angelegten Sportgefüges.

Mit dem "1. Freizeitturnier für Hunde aller Rassen und Größen", das am 17. September 1972 im Rahmen der Leistungssiegerprüfung des Südwestdeutschen Hundesportverbandes (swhv) für Schutzhunde im Käppele-Stadion in Mühlacker stattfand, begann in Deutschland eine alles umwälzende Entwicklung im Hundesport.

Die Möglichkeit der Öffnung der Vereine für alle Hundehalter, für alle Hunde, war ab dem Zeitpunkt der Einführung der Hindernislauf-Turniere gegeben. Ein enormer gesellschaftlicher Wandel in den Vereinen setzte ein; von einer (Alt)Herrengesellschaft mauserte sich der Hundesport dank THS zu einer familienfreundlichen sportlichen Betätigung "rund um den Hund". THS ist so angelegt, dass er als Freizeit-, Breiten- oder als Leistungssport ausgeübt werden kann. Den deutschen Hundesportvereinen wurde nach Einführung des THS die von den Finanzbehörden aberkannte Gemeinnützigkeit wieder eingeräumt.

Die dhv-Teilnehmerstatistik aus dem Jahre 2002 weist den hohen Abdeckungsgrad des THS in den Vereinen aus: Mit insgesamt 38.638 Teilnehmern konnte der THS ein Plus von acht Prozent einfahren. Hinzu kommen noch die Teams in den diversen Rassezuchtvereinen. Insgesamt also eine beeindruckende Summe. Und noch ein Zahlenbeispiel, das nur über den radikalen Wandel im Hundesport nach 1972 erreicht werden konnte: Der HSV Mühlacker (1988 Prädikat "Pionierverein modernen Hundesports") hat heute als mehrspartig angelegter Hundesportverein 924 Mitglieder (davon 130 Jugendliche) in seinen Reihen, und das im Verbund mit einem hohen Aktivitätsgrad. Diese Zahl hat ihre Ausgangslage in den Synergieeffekten des THS.

Alleinstellungsmerkmale, das Kapital des THS

Die für die Entwicklung des THS wichtigen Alleinstellungsmerkmale werden in der neuesten Turnier-Ordnung (TO) des VDH mit der heute zur Verfügung stehenden Palette an Wettbewerbsformen plastisch herausgestellt. Diese Alleinstellungsmerkmale tragen zweifellos dazu bei, dass sich der THS durch sinnvolle Fortentwicklungen zu einem "nicht tot zu kriegenden Selbstläufer" entwickelte – die Aufmerksamkeit des VDH konzentriert sich fast ausschließlich auf die international agierenden Sportarten mit Rassehunden – der in den Hundesportvereinen flächendeckende Einführung fand. Folgende Alleinstellungsmerkmale prägen den THS-Sport:

- Mensch und Hund bringen sich in den THS-Wettbewerbsformen zu gleichen Teilen in das Ergebnis ein. Und so spielt die Art des Hundes nicht die alles entscheidende Rolle, wie dies bei anderen Hundesportarten Fakt ist. Hier haben bekanntlich nur einige wenige Hunderassen das Potenzial für Seriensiege.

- Das Bild im Training und bei Wettkämpfen ist von der Hundeseite her unwahrscheinlich bunt. Auch die Zahl der in den Sportbetrieb integrierten Mischlingshunde ist im THS groß und erreicht weite Hundehalterkreise. Dass alle Altersschichten eine auf sie zugeschnittene Plattform für den Sport mit dem Hund finden und das Bild vom THS zeichnen, ist von der Konzeption des THS her so gewollt. Dies kommt besonders bei den Meisterschaften mit den Hunderten von Teams bildhaft zum Ausdruck.

- In keiner anderen Hundesportart ist der Jugendanteil so groß wie im THS. Während Schutzhunde-Prüfungen, Agility oder Obedience nur für einen sehr geringen Anteil an Kindern und Jugendlichen machbar ist, stehen im THS mit seinen Hindernislauf-Turnieren und dem "Shorty" Einsteiger-Wettkämpfe zur Verfügung, die durch ihren auf Machbarkeit und Erfolgserlebnis angelegten Zuschnitt besonders den Anfängern Mut machen für weitere Aktivitäten in den anspruchsvolleren THS-Disziplinen.
- Ein Negativ-Alleinstellungsmerkmal des THS muss erwähnt werden: Als einzige Hundesportart von deutschlandweiter Bedeutung hat der THS keine internationale Wettbewerbs-Plattform. Die höchst angesiedelte Meisterschaft ist die THS-DM.

THS bietet für jeden etwas zum Mittun

Was sind nun die attraktiven Angebote des THS an die Hundehalter? Die nachfolgende Auflistung soll einen kurzen Überblick verschaffen, wie vielfältig die heutige Aufgabenfülle des THS ist.

Hindernislauf-Turniere (erstes Turnier 1972):
Der Einsteiger-Wettkampf schlechthin, verschafft rasche Erfolgserlebnisse. 75 Meter Turnierbahnlänge mit 8 Hindernissen bestückt, 2 Durchgänge pro Turnier. In die Wertung kommt die Zeit des zuletzt die Ziellinie überschreitenden Team-Partners; evtl. Hindernis-Fehler werden als Fehlersekunden der Laufzeit hinzugerechnet. Bedingt durch dieses Platzierungskriterium sind Disqualifikationen im THS (Ausnahme QSC) nicht üblich.

Vierkampf 1 (erster mehrteiliger Wettkampf 1974):
Der VK ist im THS die "Königsdisziplin" schlechthin. Diese vielseitig angelegte Wettkampfart stellt an das Team fortgeschrittene Ausbildungs-Ansprüche in punkto Kommunikationsfähigkeit, Führigkeit und Schnelligkeit. Um in die Stufe 2 aufzusteigen sind im Gehorsam hohe Anforderungen gestellt. Voll ausleben kann sich das Team in den Laufdisziplinen des VK, dem Hürden-, Slalom- und Hindernislauf.

Vierkampf 2 (VK-Aufstiegsstufe seit 2002):
Der VK 2 ist eine Fortentwicklung des seit 1982 eingeführten VK, der heute als Einsteigerstufe mit der Bezeichnung VK 1 ausgeübt wird. Mit der Einführung des VK 2 wurde dem Leistungsgedanken im THS und damit dem Wunsch der Top-Teams nach höheren sportlichen Anforderungen Rechnung getragen. Alle VK-2-Disziplinen sind mit dem frei laufenden Hund auszuführen. Zudem ist im Gehorsam eine Stehübung eingebaut. Bei der Disziplin "Hürdenlauf" sind sechs 40 cm hohe Hürden von Sportler/-in und Hund gemeinsam (im Parallellauf) zu überspringen.

„CSC„ (Combinations Speed Cup), erstmals 1987:
Dieser attraktive Mannschaftswettkampf hat eine hohe Teilnehmerakzeptanz. Drei Mannschaftsmitglieder laufen in dem in drei Sektionen eingeteilten Parcours als Staffel. Die Anforderungen an die Teams bestehen aus Kombinationen von Laufelementen des VK. Der "CSC" wurde ursprünglich als Hallen-Wettbewerb konzipiert; er kann auch als Einzel- oder Familienwettbewerb ausgetragen werden.

"Shorty" (erstmals 1995):
Der "Shorty" ist ein Kurz-Bahn-„CSC„ für Zweier-Mannschaften (zwei Geräte-Sektionen). Schnelle Aktionen, sehr guter Unterhaltungswert. Besonders geeignet für Einsteiger mit Hindernislauf-Turnier-Erfahrung; ist besonders im Jugendsport-Bereich ein Renner. Die Austragung ist auch auf kleinen Flächen möglich. Er wurde ursprünglich als Hallen-Wettkampf konzipiert.

"QSC"(Qualifikations Speed Cup), erstmals 1992:
Ein anspruchsvoller Wettkampf nach dem K.O.-System auf zwei baugleichen Parcours. Beim "QSC" ist durch den Kampf „Team gegen Team„ für „Action pur" gesorgt.

Geländelauf mit dem Hund (2.000/5.000 m), erstmals 1977:
Eine THS-Disziplin, die sich an den sportlich ambitionierten Hundefreund, der an der Bewegung in der freien Natur zusammen mit seinem Vierbeiner Freude hat, wendet. Der Hund muss in Wettbewerben auf den Geländelaufstrecken, die in ihrem Profil strukturiert sein sollten, an der Leine geführt werden.

Geländelauf plus (2.000/5.000 m), Einführung 2002:
Nach kontrovers geführten Grundsatzdiskussionen "pro und kontra Bauchschnallung" wurde in der TO von 2002 der "Geländelauf plus"eingeführt. Er hat bislang nicht die erwartete Bedeutung erlangt.

Sicher hat dieser Beitrag, in der die ganze Vielfalt und Innovationskraft einer modernen Hundesportart dargestellt wurde, Sie als Hundefreund überzeugt. In Abwandlung eines bekannten Werbeslogans ist da nur der eine Schluss zu ziehen: "THS ist geil".

(Quelle: Broschüre Hans Heidinger, "30 Jahre THS – Eine beispiellose Erfolgsgeschichte")